Der Insolvenzantrag von Thomas Cook plc (London) – Folgen und Auswirkungen für deutsche Touristen

Am 23. September 2019 hat Thomas Cook plc mit Sitz in London Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Die Reisenden dieses Unternehmens, die sich bereits im Urlaub befinden, werden auf Kosten des englischen Staates zurückgeholt. 

Bei Thomas Cook plc handelt es sich um einen britischen Touristikkonzern, der unter anderem Muttergesellschaft einiger deutscher Touristikfirmen wie Thomas Cook Touristik GmbH (Oberursel), Bucher Reisen & Öger Tours GmbH (Meerbusch / Hamburg), Air marin GmbH und Condor Flugdienst GmbH (Frankfurt/M.) ist. 

Während die deutschen Reiseveranstalter Thomas Cook Touristik GmbH und Bucher Reisen & Öger Tours GmbH mitteilten, dass zunächst alle Reisen mit Start ab dem 23. September bis einschließlich 27. September 2019 storniert werden, erklärte die Fluggesellschaft Condor Flugdienst GmbH, dass der Flugbetrieb planmäßig erfolgen wird.

Die genannten deutschen Veranstalter haben am 25. September 2019 Insolvenzantrag gestellt. Condor Flugdienst GmbH hat zwischenzeitlich mit Unterstützung des Landes Hessen und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland einen Kredit in Höhe von 380 Mio. EUR zur Sicherstellung der Fortführung des Flugbetriebes erhalten. Der Flugbetrieb wird derzeit fortgeführt.

Auswirkungen auf die Touristen in den Zielgebieten

Die Reisen der Veranstalter Thomas Cook GmbH, Bucher Reisen & Öger Tours GmbH sowie Air Marin GmbH werden wohl größtenteils planmäßig zu Ende geführt. Reisende sollten sich an die Reiseleitung wenden, um Informationen über die Fortsetzung der Reise und den Rückflug zu erhalten. Ist eine Reiseleitung nicht vor Ort zu sprechen, rufen Sie die Hotline der jeweiligen Veranstalter an. 

Wird den Reisenden trotz Abhilfeverlangens kein Rückflug angeboten, müssen sie wohl oder übel die Rückreise auf eigene Kosten mit einer anderen Fluggesellschaft organisieren. Die Quittungen über die Zahlung sollten aufbewahrt werden. Nach Rückkehr von der Reise können diese Kosten bei der Insolvenzversicherung der jeweiligen Reiseveranstalter angemeldet werden.

Reisende sollten unter keinen Umständen Zahlungsforderungen der Hotels nachkommen. Sollten Reisende zur Leistung weiterer Zahlungen genötigt werden, sollte die örtliche Polizei hinzugezogen werden. Derartige Zahlungsverlangen sind unberechtigt. Gleiches gilt, wenn eine Fluggesellschaft für den Rückflug weitere Zahlungen verlangt.

 Auswirkungen auf geplante Reisen

Wegen des zwischenzeitlich gestellten Antrags auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist nicht damit zu rechnen, dass gebuchte und gezahlte Reisen noch stattfinden werden. Einzelheiten wird der vorläufige Insolvenzverwalter in den nächsten Tagen erklären müssen. Hier bleibt bei Ablehnung der Erfüllung der Reiseverträge nur die Anmeldung der Forderung auf Rückzahlung des Reisepreises bei der zuständigen Insolvenzschutzversicherung. Die Einzelheiten können dem Sicherungsschein entnommen werden. Kurze Fristen zur Anmeldung der Ansprüche bestehen nicht. 

Welchen Betrag erhalte ich aus der Insolvenzversicherung?

Der Gesetzgeber hat geregelt, dass Reisende, deren Reiseleistungen wegen Insolvenz des Reiseveranstalters vollständig ausfallen, den gesamten Reisepreis zurückerhalten. Die Reisenden, die vor Ort entweder Zusatzzahlungen leisten mussten oder deren Reisen vorzeitig abgebrochen wurden, erhalten ebenfalls ihren Schaden ersetzt.

Allerdings hat der Gesetzgeber geregelt, dass die Haftung des Versicherers pro Geschäftsjahr auf 110 Mio. Euro begrenzt ist. Aus diesem Grund ist es möglich, dass die Reisenden nicht in voller Höhe ihren Reisepreis bzw. die zusätzlichen Zahlungen, die während der Reise aufgewendet wurden, zurückerhalten. Es ist damit zu rechnen, dass alle Reisenden nur eine Quote, deren Höhe allerdings derzeit nicht bestimmt werden kann, erhalten.

Für diesen Fallist ist es denkbar, dass die Bundesrepublik Deutschland dann für die Differenz aufkommen muss, denn die Beschränkung der Haftung des Versicherers ist nach meiner Einschätzung nicht mit den einschlägigen Vorschriften zu rechtfertigen. Ähnlich wie bei der Insolvenz des Reiseveranstalters MP Travel Line in den 1990er Jahren müsste der Bund wegen fehlerhafter Umsetzung der Europäischen Richtlinie einspringen. Ob es zu einer reduzierten Auszahlung kommt und ob dann gegebenenfalls Ansprüche gegen den Bund bestehen, bleibt abzuwarten.

Auswirkungen auf laufende Gerichtsverfahren 

Laufende Gerichtverfahren gegen Thomas Cook GmbH und die übrigen deutschen Tochterunternehmen werden voraussichtlich unterbrochen. Zahlungen trotz Verurteilungen dürfen derzeit nicht mehr geleistet werden. Die Forderungen müssen beim Insolvenzverwalter angemeldet werden.

Auswirkungen auf Buchungen bei Condor Flugdienst GmbH 

Die Erfüllung der mit Condor geschlossenen Luftbeförderungsverträge unterliegt derzeit keinen erheblichen Bedenken. Es ist stark davon auszugehen, dass Condor alle Passagiere, die über eine Buchung zu einem Flug verfügen, befördern wird.

Weitere Ansprüche der Betroffenen

Die Mitteilung der Reiseveranstalter der Thomas Cook Gruppe, geplante Reisen mit Abflug bis Ende Oktober 2019 nicht durchzuführen, kann zu Forderungen der Reisenden auf Ausgleichszahlung bis zu 600 € gegen die Airlines, die in dem Reisevertrag genannt sind, führen.

Für die Beratung und Durchsetzung der Ansprüche steht Ihnen advocatur Wiesbaden – die Spezialkanzlei für Reise- und Luftverkehrsrecht – gerne zur Verfügung. Mit unserer Erfahrung aus mehr als 10.000 Reiseprozessen vor vielen Amts- und Landgerichten der Bundesrepublik Deutschland können wir ein Optimum an anwaltlichem „Know-how“ bieten.

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